Finale der MTB-Bundesliga mit spannenden Gesamt-Konstellationen

Ben Zwiehoff (vorne) ist aktueller Gesamtführender in der MTB-Bundesliga. Foto: Erhard Goller
Ben Zwiehoff (vorne) ist aktueller Gesamtführender in der MTB-Bundesliga. Foto: Erhard Goller
25.09.2019 | Titisee-Neustadt (rad-net) - Das Finale der MTB-Bundesliga in Titisee-Neustadt verspricht große Spannung. Nicht nur, dass am Samstag beim Singer Wäldercup einige Weltklasse-Athletinnen und -Athleten am Start stehen werden, auch die Konstellationen in den Gesamtwertungen sorgen für Prickeln. Ronja Eibl und Ben Zwiehoff führen die Klassements bei den Damen und den Herren an, doch entschieden ist vor den Rennen an der Hochfirst-Schanze längst noch nichts.

«Meine Frau hat mich drauf aufmerksam, dass ich noch im Rennen um die Gesamtwertung bin», bekannte Reto Indergand in Freudenstadt mit einem Schmunzeln. Und prompt tat er einiges dafür, im Spiel zu bleiben. Der BMC-Fahrer gewann den Short Track-Wettbewerb und wurde im Cross-Country Dritter. Tatsächlich geht er jetzt mit nur zwei Punkten Rückstand auf Ben Zwiehoff (Bergamont) und acht Punkten vor Matthias Stirnemann (Möbel Märki) in ein prickelndes Finale. «Ich habe schon ein bisschen gerechnet», meint Indergand mit einem Augenzwinkern. «Das wird sehr spannend und ist ganz sicher auch während dem Rennen im Hinterkopf. Ich muss vor Ben sein und Matthias darf direkt vor mir aber nicht gewinnen.»

Da hat der Schweizer richtig gerechnet. Matthias Stirnemann hat in Freudenstadt das Cross-Country-Rennen gewonnen. Und hat erst hinterher entdeckt, dass er im Klassement an die dritte Stelle gerückt ist. Mit nur zehn Punkten Rückstand auf den führenden Ben Zwiehoff. «Ich werde am Samstag sicher noch mal alles daran setzen, nochmals ein gutes Rennen zu fahren, um möglichst viele Weltranglistenpunkte zu sammeln. Es ist natürlich eine zusätzliche Motivation noch um die Gesamtwertung mitzufahren», erklärt Stirnemann. Seit der WM in Kanada habe er schon etwas Form abgebaut, aber der «mentale Druck» sich auch gelöst. «Aber wenn ich am Start stehe, will ich auch 100 Prozent geben», sagt Stirnemann.

Ben Zwiehoff war schon ein paar Mal in seiner Karriere – in verschiedenen Kategorie – nahe an einem Bundesliga-Gesamtsieg. «Ich war am Ende der Saison auch noch nie in so guter Form. Meine Krankheitspause wirkt sich jetzt positiv aus. Aber man kann den Gesamtsieg nicht planen», sagt der Essener. Er wolle sich «keinen großen Druck machen, sonst wird's schwierig.» Eher mal wie die Fußballer denken, nach dem Motto: wir schauen von Spiel zu Spiel.

Aber mit dem Sieg liebäugelt er trotzdem, er hat noch keinen in dieser Saison. «Ich würde mich gerne mit einem Sieg aus der Saison verabschieden», so Zwiehoff. Was ja gleichbedeutend mit dem Gesamtsieg wäre. Dann würde er bei der großen Siegerehrungs-Party im Zelt auch einen ausgeben. Die Band Brasstastisch tritt mit ihrer typisch schwarzwälderischen Blassmusik dort ab 18 Uhr auf.

Egal wer aus dem Trio gewinnt, die Serie von Simon Stiebjahn (Team Bulls) wird gestoppt werden. Der Mit-Organisator des Singer Wäldercups hat die Gesamtwertung fünf Mal hintereinander gewonnen. Sicherlich wird Stiebjahn auf heimischem Terrain am Samstag beim C1 dotierten Rennen vorne mitreden wollen und auch können. Außer ihm gibt es noch eine Anzahl an Fahrern, die das Klassement beeinflussen können. Vorjahres-Sieger Martin Loo (Hawaii Express) und ganz sicher auch Lukas Flückiger, BMC-Teamkollege von Indergand.

Damen: Kein Taktieren für das Minimalziel
Bei den Damen ist auf den Plätzen eins und zwei auch noch nichts geklärt. Ronja Eibl (Corendon-Circus) hat sich mit ihrem Sieg in Freudenstadt zwar 25 Punkte Vorsprung heraus gearbeitet, doch Anne Terpstra (Ghost Factory Racing) könnte ihr den Sieg durchaus noch streitig machen.

Ronja Eibl benötigt bei einem Sieg der Niederländerin mindestens Rang vier, um den die Wiederholung ihres Gesamtsieges vom Vorjahr perfekt zu machen. «Das beeinflusst die Art und Weise wie ich das Rennen fahre aber nicht», lässt die 20-Jährige wissen. Also kein Taktieren für das Minimalziel.

Die U23-Weltcup-Gesamtsiegerin kann in Titisee-Neustadt das wiederholen, was ihr schon in Freudenstadt gelungen ist. Nachdem sie 2017 das Rennen der Juniorinnen und 2018 die Elite-Konkurrenz gewinnen konnte, vollendete sie am vergangenen Sonntag den Hattrick und genau dasselbe wäre in Titisee-Neustadt auch möglich.

Ronja Eibl wird sich um solche Serien weniger Gedanken machen. Für sie ist erst mal von Bedeutung, dass sie nach ihrer Krankheit während der WM wieder fit genug ist, um die Leistungen vom ersten Halbjahr zu wiederholen.

Anne Terpstra versucht nach einer genauso langen und Kräfte zehrenden wie erfolgreichen Saison, die sie zur Weltranglistenersten gemacht hat, die Motivation aufrecht zu halten bis zum olympischen Testrennen in Japan am 6. Oktober. Im Angesicht des Starterfeldes freut sie sich für Simon Stiebjahn und dessen Kompagnon Markus Bauer über das starke Starterfeld. «Es ist schön für sie, dass so viele kommen», sagt Terpstra.

Dabei bezieht sie sich auf Linda Indergand (Superior XC), die in Freudenstadt noch etwas gehandicapt war vom Jetlag, deren Schweizer Landsfrau und zweifache Eliminator-Weltmeisterin Kathrin Stirnemann (Thömus RN) und deren Teamkollegin Alessandra Keller. Die U23-Weltmeisterin des vorigen Jahres gehörte 2018 bereits zu Weltspitze der Elite, ehe sie durch eine Verletzung im Mai aus der Bahn geworfen wurde.

Die Österreicherin Lisi Osl (jb Brunex Felt) kann ebenfalls eine gute Rolle spielen und auch Nadine Rieder (Rotwild Factory Team) ist in der Lage in den Top Fünf dabei zu sein.

Die deutsche Meisterin Elisabeth Brandau (Radon-EBE Racing) hat sich nach ihrem sechsten Rang bei der Marathon-WM auch noch angekündigt. Nachdem sie Wochen lang an der Steißbein-Verletzung von ihrem Trainingssturz bei der WM in Kanada laborierte, geht es langsam wieder aufwärts. Die EM-Dritte erzielte beim Weltcup in Les Gets als Dritte ihr bislang bestes Resultat. Sie ist Teil des zweiten Spannungsbogens im Gesamtklassement. Die Südafrikanerin Cherie Redecker (Conway Factory Racing, 84), Nadine Rieder (82) und Elisabeth Brandau (80) sind auf den Plätzen drei bis fünf nur um vier Zähler getrennt.

«So viele hochklassige Leute hatten wir beim Singer Wäldercup noch nie», freut sich Markus Bauer. «Und das Feld der Herren war auch noch nie so groß.» 70 Männer werden am Schanzenauslauf auf den Startschuss der fünften Auflage warten.

Der Zeitplan des finalen Bundesliga-Rennens folgt nicht dem üblichen Raster. Zugunsten eines TV-Beitrags im SWR werden die Elite-Rennen vorgezogen.

Trail Hype mit deutschen Meistern und einem Straßenprofi
Am Sonntag findet die zweite Auflage des Mesa Parts Trail Hype statt. Über die neu eingeführte 20-Kilometer-Strecke und über 30 oder 60-Kilometer werden unter anderen die deutschen Meister Janine Schneider (German Technology Racing) und Sascha Weber (Maloja-Rocky Mountain), der Schweizer Meister Urs Huber, die ehemalige Marathon Weltmeisterin aus der Schweiz Esther Süss und der Straßen-Profi Johannes Fröhlinger (Sunweb) am Start sein. Die Zahl der Voranmeldungen von mehr als 360 lässt darauf hoffen, dass man am Sonntag die 400er-Marke knackt und damit eine deutliche Steigerung gegenüber der Premieren-Auflage erlebt.

Zeitplan MTB-Bundesliga
13 Uhr: Herren Elite und U23
14:50 Uhr: Damen Elite und U23
14:51 Uhr: Juniorinnen U19
16:45 Uhr: Junioren U19






Gesamtwertung 2019

Elite U23 U19 Master
Frauen Männer

Sprint-Gesamtwertung 2019

Gesamt U19
Frauen Männer